Name
Kager, Johann Matthias
Namensvarianten
Khager, Johann Matthias; Khager, Johann Mathias; Kager, Johann Mathias; Kager, Johann Matthäus; Kager, Johann Mathäus; Khager, Johann Mathäus; Khager, Johann Matthäus
Lebensdaten
1575 bis 1635
Geburtsort
München
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Lebensstellung
Maler; Radierer; Kupferstecher; Architekt
Konfession
katholisch
Autor NDB
Jürgen Zimmer
Autor ADB
W. Schmidt.
GND
118559273

K(h)ager, Johann Mat(t)hias (gelegentlich auch Mat[t]häus)

Maler, Radierer, * um 1575 München, um 1635 Augsburg. (katholisch)

  • Genealogie

    V wohl Anton, Kistler in M.; M Barbara N. N.; B Johannes (Hans, 1628), 1609 Schüler K.s in A., dann vornehml. Miniaturmaler in Innsbruck (s. ThB); - Augsburg zw. 1604/11 Livia Magdalena Salvatonia (* um 1578).

  • Leben

    Über die Frühzeit von K.s Leben und Schaffen gibt es nur ungenaue Angaben und Vermutungen. Um 1588 soll er in München bei Jakob Jelle die Malerlehre begonnen und sie um 1590/91 bei Jörg Karl fortgesetzt haben. Beide Lehrmeister wurden häufig vom bayerischen Hof und den Jesuiten beschäftigt. Ihr Werk ist heute im einzelnen nicht mehr faßbar. Sicher ist, daß K. seine Ausbildung als Miniatur-, Wand- und Tafelmaler, vielleicht auch als Stecher beziehungsweise Radierer im Kreise der Hofkünstler Wilhelms V. und Maximilians I. erhielt, in künstlerischer Nähe also zu den italianisierten Niederländern Sustris und Candid (de Witte), die den Stil der Münchner Hofkunst nahezu ein halbes Jahrhundert lang bestimmten. Nach dem frühestens um 1594-95 anzunehmenden Abschluß seiner Lehre hat K. eine Reise nach Italien unternommen. In Venedig schon soll er Hans Rottenhammer begegnet sein. Von 1598 datieren seine frühesten überlieferten (heute jedoch verschollenen) Zeichnungen, Nachzeichnungen nach Raffael, die in Rom entstanden sein könnten. Daß dieser Italienaufenthalt auf Kosten des bayerischen Herzogs gegangen sei, ist nicht erwiesen. Auch die im Anschluß an die Italienreise, frühestens seit 1598/99, angenommene Tätigkeit als Hofmaler Maximilians I., die hauptsächlich in der dekorativen Ausgestaltung von Fassaden bestanden haben soll, ist bisher nicht näher belegt. Das sicher faßbare Frühwerk K.s bis etwa 1605 besteht aus einigen Zeichnungen und eigenhändigen Radierungen nach eigenen und fremden Entwürfen. 1603 ging er nach Augsburg. Ein Jahr später kaufte er die Malergerechtigkkeit und wurde als Bürger aufgenommen, 1605 zum Stadtmaler bestellt und zünftig, allerdings mit der Auflage, nur mit Wasserfarben und Fresko zu malen und nicht mehr als einen Gehilfen beziehungsweise Lehrling zu beschäftigen. Diese Einschränkung wurde anscheinend nicht völlig ernst genommen und nach einigen Jahren wohl aufgehoben. In Augsburg erwarb sich K. nicht nur als vielseitiger Künstler einen guten Namen, sondern auch als Bürger, der seit 1620 Beisitzer im Stadtgericht war, 1627 von der „Gmein“ in den Rat geschickt wurde und vom 22.9.1631 bis zum 18.4.1632 den protestantischen Goldschmied Hans Lenker im Amt eines der 6 Bürgermeister ablösen durfte.

    Um 1608/09 sind K.s früheste gesicherte Tafelbilder entstanden. Bis dahin hat er sich anscheinend mit Miniatur- (ein kleines, 1606 datiertes Tafelbild auf Kupfer mag dazu gerechnet werden) und Fassadenmalerei befaßt, hat unter anderem zwischen 1605 und 1607 die Fresken am Weberhaus in Augsburg gemalt und Entwürfe für graphische Arbeiten verschiedener Stecher geliefert. Über seine Tätigkeit 1610-15 unterrichten die Aufzeichnungen Philipp Hainhofers ausführlich. K. malte wiederum Miniaturen, unter anderem für Hainhofer selbst und den bayerischen Hof, zum Beispiel in ein für Königin Constantia von Polen bestimmtes Brevier (1610–12), malte bei gutem Wetter an den Fassaden der inneren Tortürme Augsburgs (Heiliges Kreuz-Tor und Frauentor, 1610–12), lieferte Architekturentwürfe für das Kaufhaus in der Heiliges Grab-Gasse und den „neuen Bau“ am Perlach (1611 und 1614), beteiligte sich an der Gestaltung des sogenannten pommerischen Kunstschrankes und des pommerischen Meierhofes (1611–15), beriet verschiedene Interessenten in Kunstdingen und malte Altarbilder für Kirchen (Hall in Tirol 1609, Zwiefalten 1614, Augsburg, Heiliges Kreuz 1616). Aus der Zeit um 1615 ist ein von ihm angelegtes Musterbuch mit Zeichnungen erhalten. Ferner unternahm er Reisen nach München (1611), wo er für den Herzog von Pommern-Stettin architektonische und dekorative Einzelheiten des Antiquariums zu Papier brachte, und nach Eichstätt (1612). Etwa zwischen 1613 und 1620 fertigte K. rund 110 Entwürfe (Vorzeichnungen) für die größtenteils von Raphael Sadeler gestochenen Illustrationen zu M. Raders „Bavaria Sancta“. Seinen wohl bedeutendsten Auftrag erhielt K. in Augsburg mit der Leitung der Innenausstattung des seit 1615 durch Elias Holl neu erbauten Rathauses, insbesondere der Ausgestaltung des sogenannten Goldenen Saals. Nach einem Programm, das wiederum der Münchner Jesuit Rader weitgehend bestimmt hatte, einzelnen Entwürfen von Candid und eigenen Entwürfen, malte er für das Rathaus etwa 60 Tafelbilder (bis 1627) und die Wandgemälde einschließlich der ornamentalen Dekoration des Goldenen Saales, entwarf Täfelungen, Öfen und wohl auch Möbel (1619–22). Um 1619 hat er anscheinend auch architektonische Entwürfe für die geplante neue Jesuitenkirche in Innsbruck geliefert (nicht beziehungsweise später nach anderen Plänen ausgeführt). Sodann malte K. im 2. und 3. Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts wieder Tafelbilder in kirchlichem Auftrag (Augsburg Sankt Stephan 1622, Buchloe 1626). Von 1623 an spielte er eine maßgebliche Rolle bei der neuen Innenausstattung der Klosterkirche Zwiefalten (im 18. Jahrhundert ersetzt) und lieferte gelegentlich auch wieder Entwürfe für graphische Arbeiten (zum Beispiel 17 Blätter für Raders „Bavaria pia“, 1628). Sein wohl letztes bekanntes Wandbild ist das große Salomofresko am Augsburger Ratsgefängnis gewesen (1631, verloren; Entwurf erhalten in der Staatlichen Graphischen Sammlung München). Den Auftrag dazu hatte er anscheinend in Konkurrenz zu Rottenhammer und Candid erhalten. Seine spätesten Tafelbilder sind das Votivbild der 40 Schwedengeiseln (München-Ramersdorf 1634–35) und das Allerheiligenbild in Dürrenwaldstetten (datiert 1635); ein weiteres Gemälde wurde nach seinem Tode von anderer Hand vollendet (Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek). In seinen späteren Lebensjahren scheint sich K. nicht mehr mit Miniaturmalerei befaßt zu haben. Es wird berichtet, daß er schon 1612 „wegen des Gesichts“ damit Schwierigkeiten hatte. Von 1609 an bildete K. eine Reihe von Schülern aus, zu denen sein Bruder Johannes, Sebastian Heiß, Melchior Meier, angeblich auch Johann Ulrich Loth (Vater des Johann Carl Loth) gehörten. Von dieser Zeit an muß damit gerechnet werden, daß nicht alle seine Wand- und Tafelbilder vollkommen eigenhändig sind.

    K.s vielseitige künstlerische Tätigkeit erwuchs aus der „internationalen“ Hofkunst gegen Ende des 16. Jahrhunderts, wie sie vornehmlich in München und Prag gepflegt wurde. Seine Malerei zeigt sich eher von der venezianischen Veronese-Tradition beeinflußt als von der Kunst Elsheimers, Caravaggios oder Rubens'. Die von diesen ausgehenden Impulse streiften K.s Werk allenfalls in der Spätzeit. Die Zeitgenossen schätzten insbesondere seine Miniatur- und Ornamentmalerei. Gerade diese Zweige seiner Tätigkeit sind aber, ebenso wie seine völlig untergegangene Wandmalerei, heute am wenigsten bekannt. Einen Begriff von seiner Feinmalerei geben unter anderem noch 2 Stücke im Miniaturenkabinett|der Münchner Residenz. Zusammen mit Rottenhammer und Gundelach bestimmte K. die Augsburger Malerei im 1. Drittel des 17. Jahrhunderts und gewann durch seine Aktivität auf vielen verschiedenen Gebieten, vor allem durch die Ausstattung des Goldenen Rathaussaales und viele auswärtige Aufträge, eine hervorragende Bedeutung. Dabei stellte er seine Kunst vor allem in den Dienst der erstarkenden gegenreformatorischen Bewegung. 1633 wurde er für kurze Zeit wegen des Verdachts der Verräterei gefangengesetzt. Vermutlich ist er um 1635 dem Hunger oder der Pest in Augsburg erlegen.

    • Werke

      Weitere W Gem. in Aldersbach, Augsburg, Benediktbeuern, Dillingen, Eichstätt, Freising, Ingolstadt, Landshut, München, Wien u. a. Orten; Zeichnungen in Ahrensburg, Augsburg, Berlin-Dahlem, Braunschweig, Darmstadt, Frankfurt/M., Graz, Hartford/Conn., Innsbruck, Kopenhagen, München, Nürnberg, Paris, Stuttgart, Wolfenbüttel, Würzburg u. a. Orten. -  Kupf. bzw. Radierungen n. s. Werken v. F. Collignon, R. Custos, Ch. Greuter, L. u. Wolfg. Kilian, Alex. Mai(e)r, R. Sadeler d. J. u. a.

    • Literatur

      ADB 14;  H. Nasse, Der Augsburger Stadtmaler M. K. (1575-1634), in: Zs. d. hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 46, 1926, S. 76-132;  ders., J. M. K., des Stadtmalers v. Augsburg Leben, in: Rep. f. Kunstwiss. 49, 1928, S. 28-37;  ders., Ein Skizzenbuch v. J. M. K., in: Das Schwäb. Mus. 4, 1928, S. 33-38;  I. Albrecht, Elias Holl, Stil u. Werk d. „Maurmaisters“ u. d. Augsburger Malerarchitekten Heinz u. K., in: Münchner Jb. f. bildende Kunst 12, 1937, S. 101-36, bes. S. 127 ff.;  J. Guerrero-Lovillo, Los grabados que inspiraron la Santa Isabel de Murillo, in: Archivo español de arte 25, 1952, S. 323-30;  N. Grass, Das Haller Damenstift u. s. Kunstdenkmäler, 1955;  G. P. Woeckel, in: Lex. III, 1966, S. 501-06;  H. Geissler, Die Altarbilder v. St. Michael in Augsburg u. d. frühe M. K., in: Jb. d. staatl. Kunstslgg. in Baden-Württemberg 2, 1965, S. 49-88;  Augsburger Barock (Kat. d. Ausstellung), Augsburg, 1968, S. 52-55 (E. v. Knorre), S. 119-23 (B. Bushart), S. 200-05 (H. Geissler u. R. Biedermann);  R. v. Walter, Das Augsburger Rathaus, Architektur u. Bildgehalt, 1972, S. 11 f., 52 f., 57, 67 f.;  ThB (W, L). - Eigene Archivstud.

    • Portraits

      Einzig sicheres Bildnis auf d. Gem. v. Anton Mozart „Übergabe d. Pommer. Kunstschrankes“ als Nr. 7, 1615/16 (Berlin, Staatl. Museen Preuß. Kulrurbes., Kunstgewerbemus.).

  • Autor

    Jürgen Zimmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmer, Jürgen, "Kager, Johann Mathias" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 18-20 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118559273.html

Kager, Johann Matthias

  • Leben

    Kager: Johann Matthias J., Historienmaler, Kupferstecher und Architekt, geb. 1566 zu München, lernte wahrscheinlich daselbst, vollendete aber seine Ausbildung in Italien beziehungsweise Rom; aus dem J. 1598 kennt man von ihm Zeichnungen nach Rasael's Fresken (Gottvater gibt dem Adam die Eva und die Weiber- und Kindergruppe aus der Messe von Bolsena). Nach seiner Rückkunft in die Vaterstadt ernannte ihn Herzog Maximilian, der eifrige Förderer der schönen Künste, zu seinem Hofmaler, jedoch zog K. bald nach Augsburg, wo er von nun an seinen ständigen Aufenthalt nehmen sollte. Die Gründe zu diesem Schritte sind verschiedenartig glossirt worden, vielleicht konnte Matthias neben dem übermächtigen Einfluß des Peter Candit nicht aufkommen. Jedenfalls waren die Gründe triftiger Natur, da K. bei der Aufnahme ins Bürgerregister zu Augsburg die Bedingung auf sich nahm, nur mit Wasserfarben, in Fresko und in Miniatur zu malen. Mit seinen Schülern, darunter Johann Ulrich Loth, der gleichfalls ein tüchtiger Künstler werden sollte, bemalte nun K. die Facaden der Augsburger Häuser, wie es im 16. und 17. Jahrhundert Mode war. Das Verbot der Oelmalerei jedoch ward ihm mit der Zeit zu lästig, er übertrat es und die Stadt bereite den in namhaften Ruf gekommenen Meister davon. Später wurde K. Mitglied des Senates und Bürgermeister. Er starb in Augsburg 1634. K. entwickelte einen großen Fleiß, so daß P. v. Stetten in seiner Kunst-, Gewerbs- und Handwerksgeschichte der Stadt Augsburg (1779) sagen konnte, daß von keinem Maler daselbst so viele Gemälde an öffentlichen Gebäuden gesehen würden. Eine besondere Vertiefung dürfen wir in seinen Werken nicht suchen; er malte in den conventionellen Formen, die dazumal in Deutschland den italienischen Maineristen entnommen worden waren; P. Candit, Hans v. Achen und ähnliche Maler sind ihm stilverwandt. Seine Häuserfresken in Augsburg (Weberhaus, Rathhausgesängniß, wo das von F. Collignon 1631 radirte Urtheil Salomo's prangte) sind in der Hauptsache verschwunden, doch finden sich daselbst u. A. im Dom eine Anbetung der Hirten, im Rathhaus die in Oel auf Leinwand gemalten Deckenbilder des großen Saales und das jüngste Gericht. In der Frauenkirche zu München sieht man die Auffindung des heiligen Kreuzes, in St. Moriz zu Ingolstadt eine Erweckung des Lazarus, in der Martinskirche zu Landshut den heiligen Andreas (von 1627), in der Klosterkirche zu Aldersbach die heilige Jungfrau in der Glorie (von 1619) etc. K. war auch in der Architektur erfahren; so leitete er die von 1623—1629 stattfindende glänzende Erneuerung der Benedictinerkirche zu Zwiefalten; auch malte er in Fresko und Oel für dieses Gotteshaus. Nicht minder verstand er sich auf den Kupferstich, den er in der Art der Custos und Kiliane behandelte. Andresen, der deutsche Peintregraveur, 4. Band, führt 15 Blätter auf, von denen jedoch einzelne zweifelhaft erscheinen. Als sichere Werke nennen wir: "Heilige Familie nach Otto Venius", 1603, "Anbetung der Hirten, 1601", "Taufe Christi", "Der Reiche und Lazarus", acht (zehn?) heilige Frauen, 1601 und 1603. Nach diesen Jahreszahlen zu schließen, scheint sich K. nur kurze Zeit mit dem Stich beschäftigt zu haben. Von Anderen ist ziemlich viel nach seinen Vorlagen gestochen worden, so von Wolfgang Kilian (Herzog Maximilian von Baiern,|Die zwölf Monate 1617 etc.), Lucas Kilian (A. Graf Herbersdorf 1625, das Sanctuarium Christianorum id est Imagines Christi st Apostolarum 1623 etc.), Rafael Custos (12 Blätter Arabesken) etc. Rafael Sudeler stach die vielen Zeichnungen unseres Meisters zur Bavaria sancta des Jesuiten Raderus (München 1615).

  • Autor

    W. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Kager, Johann Matthias" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 794-795 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118559273.html?anchor=adb

Kager, Johann Matthias