Name
Asam, Egid Quirin
Namensvarianten
Asum, Egid Quirin; Asamb, Egid Quirin; Asam, Egidius
Lebensdaten
1692 bis 1750
Geburtsort
-
Sterbeort
Mannheim
Beruf/Lebensstellung
Stukkator; Maler; Architekt; Plastiker
Konfession
katholisch
Autor NDB
Erika Hanfstaengl
Autor ADB
-
GND
118504614

Asam, Egid Quirin

Architekt, Plastiker, Stukkator, Maler, getauft 1.9.1692 Tegernsee, 29.4.1750 Mannheim. (katholisch)

  • Genealogie

    V Hans Georg Asam (s. 3); unverheiratet

  • Leben

    A.s Ausbildung und erste Tätigkeit verlief gemeinsam mit der seines Bruders Cosmas Damian. In Rom beeindruckten ihn wohl am stärksten die Werke Lorenzo Berninis. Nach seiner Rückkehr lernte er bei Andreas Faistenberger in München, von dem er 1716 freigesprochen wurde. Mit der plastischen Tradition seines Heimatlandes verbunden, geschult an der römischen Barockskulptur und -raumgestaltung, verfolgte A. neue Ziele, und die Bedeutung seines Schaffens reicht ebenso wie die seines Bruders über die Kunstgeschichte Bayerns hinaus.

    Am Anfang seiner selbständigen Laufbahn tritt er als Architekt auf, beim Bau der Klosterkirche in Rohr (1717–22). Der tektonisch klar gegliederte Raum, dessen einzelne Teile sich, in ihrer Funktion noch verständlich, aneinander reihen, folgt einem herkömmlichen Barockschema. Bei den mehr oder weniger gemeinsamen Bauwerken der Brüder (Johann-Nepomuk-Kirche München, Grundstein 1733, Ursulinerinnen Kirche Straubing, 1737/38, möglicherweise Kongregationssaal Maria Viktoria Ingolstadt, 1732–1736) ist der Anteil A.s, der an erster Stelle als Architekt genannt wird, im einzelnen schwer zu umreißen. Auf den sich geheimnisvoll aus Licht und Schatten entwickelnden, ganz von der „Dekoration“ getragenen Raumeindruck der Johann-Nepomuk-Kirche folgt der helle, klar überschaubare und in weicher Linienführung beruhigte Einheitsraum der Ursulinerinnenkirche in Straubing. Das Äußere der Bauten ist einfach, fast nüchtern, mit Ausnahme der reich gestalteten Fassade der Johann-Nepomuk-Kirche, an die sich südlich das Wohnhaus A.s anschließt, für das er die ungemein graziöse und einfallsreiche Stuckdekoration der Schauseite schuf (1733). Die von A. gebaute Kapelle am Hause seines Bruders in Thalkirchen (1729/30) wurde abgerissen. Erhalten ist ein Entwurf A.s für die Umgestaltung des Chores und Hochaltares der Heilig-Grab-Kirche in Deggendorf (1737, München Kreisarchiv) und ein Entwurf (Aufriß mit Einblick ins Innere) für einen kleinen, reich ausgestatteten Zentralbau (München, Graphische Sammlung). Der erst 1747 ausgeführten Kirche in Frauenzell soll ein Plan der A.s von 1736/37 zugrunde liegen.

    Als Altarbauer trat A. bald mit sehr persönlichen, die gewohnten Fassungen durchbrechenden Vorwürfen auf, die befruchtend wirkten, ohne nachgeahmt zu werden. Alle seine Altäre, ob als kühne Neuerungen mit freiplastischen Figurengruppen, die sich wie auf einer Bühne in selbständiger Aktion von dem rahmenden Altarbau lösen (Hauptwerke: Himmelfahrt Mariens in Rohr, um 1720, St. Georg zu Pferd in Weltenburg, 1721), ob als Wandaltar um Bilder komponiert oder die Lichtfläche eines Fensters als Hintergrund für besondere Wirkungen ausnutzend (Altäre der Seitenkapellen in Osterhofen 1734 und 1735, Entwürfe für die Altäre in Sandizell, um 1735), sind in zahlreichen Variationen abgewandelt, mit Baldachinen, Kronreifen oder vielfigurigen Gruppen bekrönt (z. B. Hochaltar in Osterhofen um 1732, Gnadenstuhl in der Johann-Nepomuk-Kirche). Feierlich und anmutig, plastisch gefestigt im einzelnen bei malerischer Gesamtwirkung sind die Altäre selbst Teil der Dekoration und entwachsen ihr doch als glanzvolle Höhepunkte. Zum Hochaltar mit Tabernakel, dem Ziel und Blickfang des gesamten Raumbildes, leiten die Linien der Dekoration und|steigert sich deren Pracht. In einer neuen Interpretation allerdings wäre dieser ideelle Weg in umgekehrter bzw. zweifacher Richtung zu verstehen: das liturgische Kernstück der Kirche oder Kapelle, der Altar, strahlt seine Kraft in den Raum – der Aufbau des Altares ist das Primäre und bestimmt die Anlage der übrigen Dekoration. Er sendet die führenden Linien aus und zieht gleichzeitig durch seine Gestaltung den Gläubigen heran zum Allerheiligsten.

    Die Schöpfungen des Bildhauers A. sind innerhalb dieser Dekorationen und an den Altären zu suchen. Plastik außerhalb des übergeordneten Zusammenhanges ist von ihm kaum bekannt. Doch hier, im Verband der Kirchenausstattungen, finden sich Skulpturen von persönlicher Aussagekraft und plastischem Eigenleben, die zu den besten der Zeit gehören. Über dem festen Kern der anatomisch richtig erfaßten Körper spannt sich die Oberfläche, großzügig in Licht und Schatten gegliedert. Die Gewänder bauschen sich zu oft selbstherrlichen Bildungen, als Gleichgewicht einer ausfahrenden Bewegung der Gliedmaßen entsprechend. – Das Ornament der frühen Stukkaturen A.s zeigt in der symmetrischen Anordnung und dem kräftigen Relief eine gewisse Starrheit (Michelfeld 1717, Rohr 1719–22); Hauptmotive: Akanthus, schwere Muschelbildungen, Volutenleisten. Von Aldersbach (1720) an löst es sich zu zarteren Bildungen, bereichert durch graziöse Blatt- und Blütengehänge, Band- und Leistenwerk; figürliche Motive werden aufgenommen, selbst den Themenkreis des Freskos ergänzende Reliefszenen (Weltenburg, Johann-Nepomuk-Kirche) und vor allem jene reizvollen Puttenköpfe, die mitunter die einst streng gebildeten Blatt- und Kompositkapitelle verdrängen. Auch Anregungen des französischen Rokoko setzen sich mit der Zeit durch. Girlanden und Kartuschen werden asymmetrisch geschwungen, es wechseln Embleme und Rokailleformen, Vasen und Palmwedel (Hauptwerke s. gemeinsame Dekorationen bei 1) Cosmas Damian A.).

    Die Zeichnungen A.s verraten eine lockere, sichere Hand, die zugleich über die Genauigkeit von Werkentwürfen verfügte, unter anderem auch für Goldschmiede (Monstranz im Priesterhaus der Johann-Nepomuk-Kirche). Als Maler hat A. weniger Bedeutendes geleistet; einige Altarblätter, gelegentlich ein kleineres Fresko, als größere Dekoration auch ein Castrum Doloris für Karl VII. in Regensburg. Als einzige umfangreiche und letzte Arbeit überhaupt, die nicht von ihm vollendeten Deckenbilder in der Jesuitenkirche in Mannheim (1749/50). – Vom Freisinger Bischof und vom Münchner Hof wurden ihm die gleichen Titel wie seinem Bruder verliehen.

    • Literatur

      E. Baumeister, Zeichnungen d. E. Q. A., in: Das Münster, Jg. 4, 1951, H. 7/8; H. Brunner, Altar- u. Raumkunst b. E. Q. A., Diss. München 1951 (ungedr.).

    • Portraits

      (auf Leinwand) v. Cosmas Damian A. im Priesterhaus d. Joh.-Nep.-Kirche in München.

  • Autor

    Erika Hanfstaengl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hanfstaengl, Erika, "Asam, Egid Quirin" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 407-408 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118504614.html
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Asam, Egid Quirin

NDB Genealogie:

Asam, Egid Quirin