Name
Heyking, Elisabeth Baronin von
Namensvarianten
Flemming, Elisabeth Gräfin von (geborene); Putlitz, Elisabeth zu (verheiratete, in 1. Ehe)
Lebensdaten
1861 bis 1925
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Berlin
Beruf/Lebensstellung
Schriftstellerin
Konfession
lutherisch
Autor NDB
Eckhard Schulz
Autor ADB
-
GND
104359080

Heyking, Elisabeth Baronin von, geborene Gräfin von Flemming

Schriftstellerin, * 10.12.1861 Karlsruhe, 5.1.1925 Berlin. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Albert Gf. v. Flemming (1813–84), auf Buckow, preuß. WGR u. Gesandter in K., S d. Karl (1783–1866), preuß. Reg.präs. in Erfurt (E d. Carl Gg. Frdr., 1767, kursächs. Min., s. NDB V), u. d. Wilhelmine Gfn. v. Hardenberg (N d. preuß. Staatskanzlers Carl Aug. Fürst v. H., 1822, s. NDB VII); M Armgard (1821–80), T d. Dichters Achim v. Arnim ( 1831, s. NDB I) u. d. Bettina Brentano ( 1859, s. NDB II); Om Herm. Grimm ( 1901), Kunst- u. Lit.hist. (s. NDB VII); Schw Irene Forbes-Mosse ( 1946), Dichterin (s. NDB V); - 1) Berlin 1881 Stephan Gans Edler Herr zu Putlitz (1854–83), Prof. d. Staatswiss. in Halle, S d. Gustav (Gans) zu Putlitz (1821–90), Intendant u. Schriftsteller (s. ADB 53), 2) Soest 1884 Edmund Baron v. Heyking (1850–1915), dt. Gesandter, S d. Alfred Baron v. H. (1813-1905), russ. Staatsrat u. Vizegouverneur v. Kurland, u. d. Amelia v. Jacobs; 2 S aus 2) (⚔).

  • Leben

    H.s erste Ehe mit Stephan Gans zu Putlitz, der nach Johann Werner „mit seinem burschikosen Wesen durchaus nicht zu der kühl reservierten, anspruchsvollen, hyperästhetischen Diplomatentochter“ paßte, war zum Scheitern verurteilt und endete mit dem Selbstmord des Mannes. Nach ihrer Heirat mit dem Gesandten von Heyking lebte sie, bedingt durch dessen diplomatische Tätigkeit, in Peking und Valparaiso, Kairo und New York, Kalkutta und Mexiko. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie auf Schloß Crossen bei Zeitz.

    1902 erschien in der „Täglichen Rundschau“, dem rechtsstehenden Berliner Blatt mit dem damals höchsten Niveau, anonym H.s Roman „Briefe, die ihn nicht mehr erreichten“ (ab der 6. Fortsetzung „Briefe, die ihn nicht erreichten“, 1903 – ebenfalls anonym – als Buch). Der Roman war einer der größten Erfolge jener Zeit; bereits ein Jahr später mußte die 64. Auflage herauskommen. Der „glatte Stil, der aristokratische Ton und das interessante Milieu“ (R. M. Meyer) machten das Werk zu einem „Bestseller“. Es ist eine Sammlung von Briefen, die den Mann, an den sie gerichtet sind, nicht mehr erreichten, da er 1900 in den Boxerkämpfen in Peking gefallen ist. Der Roman ist das verhaltene Bekenntnis einer Frau an einen Mann, mit dem sie eigentlich nur Unausgesprochenes verbindet, eine Neigung, die höchstens die Formel „Lieber Freund“ verwendet. Ohne Worte wird alles das gesagt, wozu eine Dame jener Zeit und jener Kreise bereit und fähig war. Die Psychologie des Diplomatenberufs im Ausland wird (obwohl ein sehr dankbares Thema) nur kurz berührt, dafür werden gut erfaßte und charakteristisch wiedergegebene Bilder des Lebens um die Jahrhundertwende in Peking und Vancouver, New York und Berlin vermittelt. – Auch die späteren Werke H.s behandeln ähnliche Themen, dennoch erreichte keines wieder das Echo ihres ersten Buches, das in alle führenden Weltsprachen übersetzt wurde.

    • Werke

      Weitere W Romane: Der Tag anderer, 1905;  Ille mihi, 1912;  Tschun, 1914;  Die Orgelpfeifen, 1918;  Liebe, Diplomatie u. Holzhäuser, 1919;  Das vollkommene Glück, 1920;  Weberin Schuld, 1921. -  Tagebücher aus vier Weltteilen 1886/1904, hrsg. v. G. Litzmann, 1926 (P).

    • Literatur

      J. Hart, in: Das Literar. Echo 8, 1905/06;  Richard M. Meyer, Die dt. Lit. d. 19. Jh., 41910, T. 2, S. 233;  E. v. Watzdorf, in: Die dt. Frau, Okt. 1912;  M. v. Bunsen, in: Die Literatur 27, 1924/25;  E. Krzyzanowska-Kessler, Briefe, d. ihn nicht erreichten, in: Neues Wiener Tagbl., Nr. 342, 1937;  P. Lindenberg, Es lohnte sich, gelebt zu haben, 1941;  W. Oehlke, Dt. Lit. d. Gegenwart, 1942, S. 236;  P. Fechter, Gesch. d. dt. Lit., 1954, S. 718 f.;  Lit.. -  Zu Ehemann Gans zu Putlitz: J. Werner, Maxe v. Arnim, Tochter Bettinas, Gräfin v. Oriola, 1937.

  • Autor

    Eckhard Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Eckhard, "Heyking, Elisabeth Baronin von, geborene Gräfin von Flemming" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 81 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn104359080.html
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Heyking, Elisabeth Baronin von