Name
Friedrich II. der Weise
Namensvarianten
Friedrich II.; Friedrich der Weise; Friedrich II. von der Pfalz
Lebensdaten
1482 bis 1556
Geburtsort
Burg Winzingen über Haardt bei Neustadt/Weinstraße
Sterbeort
Alzey
Beruf/Lebensstellung
Kurfürst von der Pfalz
Konfession
katholisch,lutherisch
Autor NDB
Peter Fuchs
Autor ADB
Kleinschmidt.
GND
118535714

Friedrich II. der Weise

Kurfürst von der Pfalz, * 9.12.1482 Burg Winzingen über Haardt bei Neustadt/Weinstraße, 26.2.1556 Alzey, 8.3.1556 Heidelberg, Heilig Geist-Kirche. (katholisch, dann lutherisch)

  • Genealogie

    V Kf. Philipp v. d. Pf. ( 1508); M Margarete ( 1501), T d. Hzg. Ludwig IX. d. Reichen v. Bayern-Landshut ( 1479); B, u. a. Kf. Ludwig V. d. Friedfertige v. d. Pf. ( 1544), Philipp (1480–1541), Bischof v. Freising (seit 1498) u. Naumburg (seit 1517), Georg (1486–1529), Bischof v. Speyer (seit 1513, s. ADB VIII), Heinrich (1487–1552), Bischof v. Worms (seit 1523), Utrecht (1524–29), u. Freising (seit 1541, s. ADB XI), Johann (1488–1538), Bischof v. Regensburg (seit 1507); Brüssel 18.5. (Heidelberg 26.9.) 1535 Dorothea (1520–80), T d. Kg. Christian II. v. Dänemark (1481–1559) u. d. Erzhzgn. Isabella v. Österreich; kinderlos; N Kf. Ottheinrich v. d. Pf. ( 1559).

  • Leben

    Zunächst gemeinsam mit den Brüdern durch Johann Reuchlin erzogen, verbrachte der 4. Sohn Philipps des Aufrichtigen einen großen Teil seiner späteren Jugend am burgundischen Herzogshof in den Niederlanden. Ein lebenslustiger Hofmann und liebenswürdiger Kavalier, wurde er gleichzeitig zu einer wichtigen Figur im politischen Spiel der Habsburger. Freund und Reisebegleiter Philipps des Schönen, Gefolgsmann Kaiser Maximilians im Krieg gegen Venedig, Regent des unmündigen Erzherzogs Karl in Brüssel, geschickter und erfolgreicher Agent bei der Kaiserwahl von 1519, 1521/23 neben Ferdinand Statthalter Karls V. beim Nürnberger Reichsregiment, 1529 und 1532 Führer des Reichsheers gegen die Türken, war er auch für die Königswahl Ferdinands 1531 wieder tätig und präsidierte zusammen mit Granvelle dem kaiserlichen Religionsgespräch auf dem Regensburger Reichstag von 1541. Der „Dank vom Haus Österreich“ ließ lange auf sich warten. Wegen seiner Neigung zu Karls Schwester Eleonore, die König Manuel dem Großen von Portugal bestimmt wurde und später Franz I. von Frankreich heiratete, hatte er 1517 Brüssel verlassen müssen, andere Heiratsprojekte scheiterten genauso, und die optimistischen Hoffnungen, Statthalter der Niederlande, Vizekönig von Neapel oder gar römischer König zu werden, waren leer. Erst 1535 gab ihm der Kaiser seine noch nicht 15jährige Nichte Dorothea zur Frau, deren vage Ansprüche auf die 3 nordischen Königreiche der Gatte nun auch zu den seinen machte. Ihre Verfolgung brachte die schon immer kläglichen pfalzgräflichen Finanzen vollends in Unordnung, und wie vorher F. allein lieber auf Reisen als in der ihm nach des Vaters Tod zugefallenen Oberpfalz gewesen war, so fütterte sich jetzt auch das verschwenderische Paar an fremden Höfen durch, bis Kurfürst Ludwigs V. Tod und Kinderlosigkeit den Bruder 1544 zum Herrn der Kurpfalz machten – entgegen den Bestimmungen der Goldenen Bulle und zum Nachteil des Neffen und Nachfolgers Ottheinrich, für den und dessen Bruder Philipp den Streitbaren der Onkel 1505/22 die Regentschaft im Herzogtum Neuburg geführt hatte. Rücksichten auf ihn, der seit 1542 Lutheraner war, mögen mitgespielt haben, wenn sich F. gegenüber den protestantischen Neuerern im Lande bald nicht mehr mit der lässigen und ausgleichenden Haltung seines Vorgängers begnügte, sondern, wenn auch zögernd, unsicher und persönlich nicht durchaus überzeugt, mit der offiziellen Reformation seines Territoriums begann. Er nahm zu Ostern 1545 mit Dorothea das Abendmahl unter beiden Gestalten, erließ ein Jahr später eine evangelische Kirchenordnung und näherte sich, kurz vor der heraufziehenden Katastrophe, den Schmalkaldenern, ohne bei ihnen regeres Interesse für seine skandinavischen Pläne zu finden, als der Kaiser es gezeigt hatte. Auch mit Frankreich wurde verhandelt. Wenn sich derjenige unter den zeitgenössischen deutschen Fürsten, der, fließend französisch und spanisch sprechend, gewiß am meisten von der Welt gesehen hatte, hier als politisch mindestens ebenso beschränkt erwies wie seine Standesgenossen, dann gab er den Habsburgern nachträglich noch einmal Recht, die ihn für eine wirklich große Rolle in ihrer Weltpolitik eben doch ungeeignet befunden hatten. Der militärische Anteil der Pfalz am Schmalkaldischen Krieg in Oberdeutschland war kaum der Rede wert. Trotzdem behandelte Karl den im Dezember 1546 zu Schwäbisch-Hall um Gnade flehenden alten Paladin mit Härte, bis er ihm schließlich verzieh und die Kur, die bayerischen Erwartungen enttäuschend, beließ. Als Anhänger des Interims, des Passauer Vertrags wie des Augsburger Religionsfriedens und Mitglied des Heidelberger Bundes von 1553 blieb der leidende alte Herr nun bis zu seinem Tod innen wie nach außen um eine schwächliche Neutralität bemüht. Sein Interesse an der Universität Heidelberg, für deren Reform ihn, außer den Theologen Heinrich Stoll und Paulus Fagius, besonders seine Kanzler Hartmann von Eppingen und Christoph Prob aus Alzey erwärmten, beweist die 1555 erfolgte Begründung des Sapienzkollegs.

    • Literatur

      ADB VII;  H. Thomas Leodius [F.s Sekretär], Annalium de vita et rebus gestis illustrissimi principis, Friderici II. Electoris Palatini, libri XIV, Frankfurt/M. 1624, 21665 (P), dt. v. Hartmannus Myricianus Salinator, Schleusingen 1628, ed. E. v. Bülow, 2 Bde., 1849, 21918;  L. Häusser, Gesch. d. Rhein. Pfalz… I, 1845, bes. S. 563-85 u. 598-630;  Briefe u. Akten z. Gesch. d. 16. Jh. mit bes. Rüdesicht auf Bayerns Fürstenhaus I-IV, ed. A. v. Druffel u. K. Brandi, 1873-96;  K. Hartfelder, Die Berufung Melanchthons nach Heidelberg 1546, in: ZGORh 42, 1888, S. 112-19;  RTA (Jüngere R.) I-IV u. VII;  Ch. Moeller, Eléonore|d'Aulriche et de Bourgogne, reine de France, Paris 1895;  Des Kursächs. Rathes Hans v. d. Planitz Berr. aus d. Reichsregiment in Nürnberg 1521–23, ed. E. Wülcker u. H. Virck, 1899;  A. Hasenclever, Kf. F. II. v. d. Pf. u. d. schmalkald. Bundestag zu Frankfurt v. Dez. 1545, Ein Btr. z. pfälz. Ref.gesch., in: ZGORh 57, 1903, S. 58-85;  ders., Die kurpfälz. Pol. in d. Zeiten d. schmalkald. Krieges (Jan. 1546-Jan. 1547), 1905;  ders., Beitrr. z. Gesch. Kf. F. II. v. d. Pf. (1544–56), in: ZGORh 74, 1920, S. 278-312, 75, 1921, S. 259-94, 82, 1930, S. 470-82, 83, 1931, S. 425-58 u. 87, 1935, S. 359-83;  H. Rott. F. II. v. d. Pf. u. d. Ref., 1904;  J. B. Götz, Die rel. Bewegung in d. Oberpfalz v. 1520–60, = Erll. u. Ergg. z. Janssens Gesch. d. dt. Volkes X, |1 f., 1914 (L);  R. Lossen, Die Glaubensspaltung in Kurpfalz, in: Freiburger Diözesan-Archiv 45, 1917, S.208-310 (L);  K. Brandi, Kaiser Karl V., 2 Bde., 1937/41;  R. Raubenheimer, Dorothea v. Dänemark, Kfn. v. d. Pf., in: Mitt. d. Hist. Ver. d. Pfalz 55, 1957, S. 89-116;  Ersch-GruberNouv. Biogr.Schottenloher 32093-111 a, 51386 cf. u. (zu Dorothea) 32084 f.

    • Portraits

      Silberstiftzeichnung v. A. Dürer, 1523 (London, Brit. Mus.), Abb. b. F. Winkler, Die Zeichnungen A. Dürers IV, 1939, Nr. 903, vgl. ebd. S. 78;  Holzbüste v. M. Gebel (?) um 1530 (München, Nat.-mus.Foto Marburg), Abb. b. A. v. Reitzenstein, Ottheinrich V. d. Pfalz, 1939, S. 124 (wo sie F. Hagenauer zugeschr. wird)vgl. A. Peltzer, A. Dürer u. F. II. v. d. Pf., Straßburg 1905 (P). – Zu Dorothea: S. F. Christensen, Portraetter af den danske Prinsesse Dorothea, Pfalzgfn. b. Rhein, in: Kunstmuseets Aarsskrift 24, Kopenhagen 1937, S. 130-44 (P).

  • Autor

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Friedrich II. der Weise" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 528-530 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118535714.html

Friedrich II.

  • Leben

    Friedrich II., Kurfürst und Pfalzgraf bei Rhein, Erzschatzmeister und Erztruchseß des heiligen römischen Reiches, erblickte auf dem Schlosse Winzingen bei Neustadt am 9. December 1482 das Licht der Welt als vierter Sohn des Kurfürsten Philipp und der Margaretha von Baiern-Landshut. Leichtlebig und dem Stillsitzen abhold, war F. ein sehr zerstreuter Schüler, der mit Widerwillen sich den pedantischen Lehrern fügte, während er, Meister in allen ritterlichen Künsten, schon in frühester Jugend dem vollen Genuß des Lebens entgegenstrebte. 1501 zog F. an den österreichischen Hof in den Niederlanden, bereiste von hier aus Frankreich und Spanien, lebte toll und verschwenderisch in den Tag hinein; Liebesabenteuer und Jagd, Turniere und Spiel füllten seine Zeit aus und als vollendeter Cavalier wurde er in Brüssel, Paris und Madrid bewundert; innige Freundschaft verband F. mit König Philipp I. von Spanien. Nach dessen Tod begleitete F. den Kaiser Maximilian auf dem Zuge gegen Venedig 1508 und leistete ihm gegen die mächtige Republik die treuesten Dienste, stets mit leeren Versprechungen vom Hause Habsburg geködert. Für dies undankbare Geschlecht that er Alles; in seinem Interesse zog er nach England, er zierte den Hof des Erzherzogs Karl in Brüssel, von aller Welt wegen seiner Leutseligkeit und Munterkeit geliebt, aber 1516 sandte ihn Karl voll Wuth heim, weil seine Schwester Eleonore ihm ihr Herz zugewandt und vermählte sie dem alten Könige von Portugal. In der Oberpfalz verwaltete F. die Regierung für seinen Neffen Otto Heinrich, dann aber wirkte er 1518 bei seinem kurfürstlichen Bruder und wo er nur konnte in eifrigster Weise für die Königswahl Karls, dem er längst verziehen, und wurde mit einigem Gold 1519 belohnt. F. lächelte jetzt Karls Gunst und er durfte, was seinem Hange zu Prunk und Repräsentation unendlich schmeichelte, seit 1521 in Nürnberg als College des Reichsstatthalters Erzherzogs Ferdinand residiren. Hier verbrauchte der Pfalzgraf, von schönen Frauen umschwärmt, enorme Summen, war in steter Geldnoth und gerieth in die Hände der Wucherer, endlich mußte er Nürnberg 1525 verlassen und heimkehren. Schon 1526 zog er durch Frankreich wieder nach Spanien, erhielt aber das hier gesuchte Geld nicht und kehrte sofort mißmuthig nach Deutschland zurück. 1528 erschien er als kaiserlicher Commissair bei der Reichsregierung und ließ sich durch neue Versprechungen bewegen, Reichsfeldherr zu werden; als solcher erhielt er 600 Mann gegen die Wien belagernden Türken, 1529, und konnte natürlich hiermit nichts unternehmen. Vergebens hoffte er auf die Hand der jetzt verwittweten Jugendgeliebten Eleonore, vergebens auf die ihrer Schwester, Maria von Ungarn, man verweigerte sie ihm in Wien nicht geradezu, aber man täuschte ihn, ja man ließ ihn hoffen, er solle römischer König werden. Als dann Ferdinand I. dies wurde, war F. einer der thätigsten Urheber dieser Wahl. Dem habsburgischen Hause unerschütterlich ergeben, ließ der gutmüthige Prinz sich stets von neuem durch Hoffnungen, die seine sanguinische Natur so leicht auffaßte, täuschen; bald war es die Statthalterschaft in Belgien, bald eine Prinzessin, bald Geld, womit Karl V. ihn anlockte und immer wieder sah er sich, obgleich er auch 1532 als Generaloberster gegen die Türken neue Dienste leistete, betrogen; auch ein französischer Heirathsplan zerrann in Nichts. Endlich bewog man in Wien den siebenmal im Werben unglücklichen Pfalzgrafen zu einer dänischen Heirath, ihm die Krone von Dänemark als Preis bezeichnend; der geduldige Mann sah die Krone an das oldenburgische Haus fallen; um aber dem Kaiser gefällig zu sein und um dem erlöschenden Pfälzer Kurhause Erben zu erwecken, hielt er an der Verbindung mit des Kaisers Nichte, der Tochter des vertriebenen Königs Christian II. von Dänemark, Dorothea, fest, reiste nach Spanien, beredete in Barcelona am 10. April 1535 die Ehe, verlobte sich am 18. Juni in Brüssel und heirathete in Heidelberg am 26. September 1535. — F. zählte 53 Jahre, Dorothea 15. In Neumarkt, der Residenz Friedrichs, wurde so lange gepraßt, bis F. Schulden halber nicht bleiben konnte, seit 1538 reisten er und Dorothea, in Frankreich und Spanien auf Kosten der Souveräne lebend, die deutschen Mägen erwarben sich dort eine übele Berühmtheit, an Verschwendung überbot Dorothea noch den Gemahl, dem die einstige erste Liebe, Eleonore, Geld auf Geld gab, jetzt Königin von Frankreich. Auch England wurde heimgesucht und nach der Rückkehr verschleuderte F. neue Gelder für das Phantom der dänischen Krone. Seit 1541 gab ihm Karl V. jährlich 8000 Gulden, aber seine Ueberschuldung zwang F. 1543 die Verwaltung seiner Gebiete dem kurfürstlichen Bruder zu überlassen und auf einem Schlößchen bei Amberg zu leben. Da starb am 16. März 1544 sein Bruder und F. wurde Kurfürst. Von jetzt an dachte F. mehr als Territorialherr, denn als blinder Diener Habsburgs, noch lange auf Dänemark kostspielige Luftschlösser bauend und die Brust von königlichen Träumen geschwellt. In Sachen der Religion war er früher als Commissair den Protestanten entgegengetreten, in Augsburg hatte er ihnen 1530 die Confutatio dargelegt, bald aber stimmte ihn seine Umgebung, voran der Kanzler Hartmann von Eppingen, der Reformation günstiger und sein Neffe Otto Heinrich wurde ihr warmer Fürsprecher. Oefter besuchte F. die Predigten des beliebten Heinrich Stolo, um sich populär zu machen, denn er wußte, Otto Heinrich liege den Pfälzern weit mehr am Herzen als er, religiöse Ueberzeugung bewog ihn keineswegs zu der Begünstigung der neuen Lehre, hingegen erhoffte er von ihr Unterstützung seiner dänischen Gelüste. So hemmte er den Gang der Reformation durchaus nicht, suchte sogar Melanchthon für die verfallende Universität 1545 zu gewinnen, erhielt von ihm ein Gutachten über die in Schule und Kirche vorzunehmende Reform und ließ sich von protestantischen Räthen berathen. Die Heidelberger Gemeinde ging rascher vor, am 20. December 1545 schloß sie sich, indem sie das Lied "Es ist das Heil uns kommen her" intonirte, der Reformation an und zu Weihnachten nahmen die Kurfürstin, der Kanzler und viele Hofpersonen das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Um einem Volksaufstande vorzubeugen, publicirte F. noch 1545 eine der Reformation günstige Kirchenordnung für seine Lande. Der schmalkaldische Bund unterstützte zu lau seine persönlichen Interessen und achtete zu wenig auf die dänischen Pläne, sonst wäre F. ihm offen beigetreten und hätte ein Heer zur protestantischen Sache gestellt — dieses Schwanken bemerkte Karl V. rasch; äußerlich freundlich bleibend, sagte er am 2. Juni 1546 in einem geheimen Vertrage Baiern die pfälzische Kur zu, falls F. abfalle. F. mochte die Abneigung Karls jedoch bemerken, denn jetzt stellte er Ulrich von Württemberg 900 Mann, die wacker gegen den Kaiser mitkämpften. F. sah|bald, daß der schmalkaldische Bund keine Siege erringen könne und unterwarf sich dem Kaiser, er erschien vor ihm in Schwäbisch-Hall und bat in gebückter Stellung den gichtkranken Karl um Verzeihung im November 1546; Karl verzieh, besetzte aber das Schloß Boxberg und F. mußte der Reformation seine Unterstützung entziehen. Ohne das alte Vertrauen kehrte wenigstens äußerlich die Eintracht zwischen dem Kaiser und dem ersten weltlichen Fürsten zurück und ohne Gewissensbedenken führte F. das Augsburger Interim im Mai 1548 im Lande ein, nur bat er Karl einstweilen die Darreichung des Kelches an Laien und die Priesterehe zu dulden und die Kirchentrennung völlig zu beseitigen; Karl wies ihn an's Concil. Aber solche Schritte traten den reformatorischen Geist nicht nieder, an der Universität kam es zu Auftritten, viele Geistlichen legten ihr Amt nieder, Familien wanderten aus, um der Reaction zu entgehen. Die Universität beschickte auf päpstliche Einladung das Tridentiner Concil 1551 und die Rectoren erhielten die päpstliche Erlaubniß zur Ehe. Jetzt erhob sich Moritz von Sachsen, gestützt auf Frankreich, gegen den übermächtigen Kaiser, die Pfalz sah sich von Westen bedroht, Albrecht von Brandenburg durchzog plündernd pfälzische Gebiete, aber F. schloß sich den Gegnern Karls ebensowenig an, als er für ihn eingetreten wäre — neutral bleibend, suchte er zu vermitteln und begrüßte freudig den Passauer Frieden 1552; für die Erhaltung desselben thätig, veranstaltete er auch im März 1553 den Heidelberger Fürstenbund, in welchem die mächtigeren oberdeutschen Fürsten dem Kaiser passiven Widerstand leisteten und sich für Erhaltung der Ordnung verbürgten. F. erwies sich nach wie vor der Reformation nicht feindlich, hielt aber am Interim fest und that keine eigentlichen Schritte für jene, hingegen versuchte er — freilich vergebens — nochmals 1553 Melanchthon und dann Chyträus an die Universität zu ziehen. Auch sprach er nach dem Abschlusse des Augsburger Religionsfriedens für Berufung einer evangelischen Synode durch die evangelischen Reichsstände, befahl eine evangelische Kirchenordnung zu entwerfen und nahm der Religion halber verfolgte Engländer, wie die Herzogin Katharina von Suffolk, 1556 auf, Karl V. immer verdächtiger und verhaßter werdend. Für die Universität that F. viel, von Hartmann von Eppingen und seinem Nachfolger Christoph Probus tüchtig unterstützt; er verbesserte ihre Einrichtungen, ließ die mönchisch-scholastische Bildung fallen, vereinigte die Bursen. errichtete 1546 das Pädagogium, wozu ihm Paul Fagius rieth, stiftete zwei neue Lehrstühle an der Universität für Mathematik und Ethik, auch hob er mit Erlaubniß Julius III. zwölf Klöster auf, um mit ihren Einkünften die Universität zu heben, er berief berühmte Lehrer, besoldete sie besser als es bisher üblich war (einige erhielten sogar 150 Gulden), gab neue Statuten und endlich gründete er im September 1555 das Sapienz-Collegium als Anstalt für arme talentirte Pfälzer Studenten. So war F. ein Wohlthäter der Universität. F. ist mit dem Namen des Weisen geehrt worden, den er weder durch seine bornirte Anhänglichkeit an Oesterreich in früheren Tagen, noch durch seine Lauheit in der Reformationsfrage im Alter verdient hat. Der spanischen und französischen Sprache Meister, war er ohne tiefere Bildung, dafür aber bis zum Ableben das Abbild eines jovialen Epikuräers. Seit langen Jahren am Steine leidend, fühlte F. 1556 sein Ende nahen, als er in Alzei weilte; am 23. Febr. nahm er das Abendmahl und am 26. Februar verschied er. Mit möglichster Vermeidung katholischer Gebräuche wurde er in der Heiliggeist-Kirche am 30. Febr. beigesetzt. Seine Ehe war kinderlos geblieben, weßhalb ihm sein Neffe Otto Heinrich folgte. Die Kurfürstin-Wittwe starb in Neumarkt erst am 31. Mai 1580.

    • Literatur

      Hubertus Thomas Leodius, De vita et rebus gestis Friderici II., 1624. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz, Heidelberg 1845. Vierordt, Geschichte|der evangelischen Kirche in dem Großherzogthum Baden, Karlsruhe 1847. Hautz und von Reichlin-Meldegg, Geschichte der Universität Heidelberg, Mannheim 1862.

  • Autor

    Kleinschmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kleinschmidt, Arthur, "Friedrich II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 603-606 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118535714.html?anchor=adb

Friedrich II. der Weise